Nachruf auf Pfarrer Gerhard Schröder Drucken
Donnerstag, den 22. Juni 2017 um 11:26 Uhr

Am 20. Mai 2017 verstarb in Düsseldorf unser ehemaliger Pfarrer Gerhard Schröder nach langer schwerer Krankheit. Gerhard Schröder wurde am 27. Juni 1933 in Danzig geboren. In den Schrecken des zu Ende gehenden 2. Weltkriegs verlor er seine Mutter, dieser Verlust hat sein Leben nachhaltig geprägt. Nach der Flucht vor der Roten Armee fand der Vater mit ihm im Rheinland eine neue Heimat. Nach Abitur und dem Entschluss, Priester zu werden, wurde er an das Collegium Germanicum in Rom entsandt und studierte an der Universität der Jesuiten, der Gregoriana, Philosophie und Theologie. 1960 wurde er in Rom vom Weihbischof Corrado Bafile, dem späteren päpstlichen Nuntius in Deutschland, zum Diakon geweiht. Die Priesterweihe empfing er am 10.10.1960 in der römischen Kirche Sant‘ Ignazio vom Weihbischof Cunial. Nach seiner Priesterweihe war er zunächst noch zum Studium in Rom freigestellt. Im Juli 1961 wurde er zuerst als Kaplan an St. Agnes in Köln, im Februar 1962 an St. Joseph in Wülfrath und im Juli 1966 an Herz Jesu in Düsseldorf-Derendorf ernannt. Anschließend erfolgte am 02.11.1974 die Ernennung zum Pfarrer an St. Joseph in Wülfrath; damit war er der 9. Pfarrer, seit im Jahre 1909 das selbständige Rektorat St. Joseph zur Pfarrei erhoben wurde. Zusätzlich wurde er im Januar 1978 Rektoratspfarrverweser von St. Petrus-Canisius in Rohdenhaus und im September 1991 Pfarrer von St. Maximin in Düssel. Im Juni 1995 wurde er zum Moderator an diesen Kirchengemeinden ernannt.

Pfarrer Schröder setzte behutsam die Arbeit des beliebten und am 2. Oktober 1974 auf einer Urlaubsreise in Spanien ertrunkenen Pfarrer Josef Gail fort. Seine besondere Sorge galt der würdigen Feier der Liturgie, die alljährlich ihren Höhepunkt in der Osternacht fand. Im Mittelpunkt seiner Verkündigung stand immer Jesus Christus als der Herr; an Jesu Handeln war auch seine Arbeit ausgerichtet und an ihm maß er alle weltlichen und kirchlichen Gegebenheiten, auch Rechtsvorschriften. Er war ein ausgewiesener Kenner der Kunstgeschichte und hatte ein sicheres Gespür für gute Sakrale Kunst. So war es ihm ein besonderes Anliegen zunächst den nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg notwendigen Ausbau der Pfarrkirche weiterzuführen. 1976 begann eine umfassende Renovierung der Kirche, die zu einer Neugestaltung des Chorraumes mit neuem Altar, Tabernakel und Ambo aus heimischem Kalkstein führte. Am 04. Februar 1979 wurde der neue Altar vom Kölner Weihbischof Luthe feierlich konsekriert. Mit Hilfe von manchen Sponsoren gelang es ihm, das wertvolle, aus der Schweiz stammende Chorkreuz (um 1750) zu erwerben. Es folgte der von dem Kölner Künstler Egino Weinert geschaffene Osterleuchter, der dem Osterleuchter in der Pilgerkirche in Tabgha am See Genezaret nachempfunden ist. Wiederum gelang ihm der Erwerb weiterer Kunstwerke durch Sponsoren: 1981 die Madonna mit dem Kind und eine Josefsfigur mit Kind. Es folgten 1985 die Figuren der hl. Paulus und Johannes Ev., schließlich noch der Verkündigungsengel, der auf Altar und Ambo verweist, und eine Statue der hl. Barbara. Zu seinem 40. Priesterjubiläum schenkte ihm die Gemeinde den ebenfalls von Egino Weinert geschaffenen Kreuzweg. Außerhalb der Kirche veranlasste er 1975 eine gründliche Instandsetzung des Pfarrhauses und 1981 eine umfangreiche Sanierung des Pfarrzentrums, das dann den Namen „Corneliushaus“ erhielt.
Da zu seiner Zeit der Zuzug von Katholiken nach Wülfrath anhielt und damit die Last der Seelsorge zunahm, setzte Pfarrer Schröder konsequent auf die verstärkte Mitarbeit der Laien, im Pfarrgemeinderat, in den verschiedenen Gremien und Vereinen und in der Liturgie. So führte er den Dienst von Ministrantinnen ein, erhöhte die Zahl der Kommunionhelfer auf zwölf, davon sechs Frauen (1976) und intensivierte den Einsatz von Müttern und Vätern bei Erteilung des Erstkommunion- und Firmunterrichts. 1977 richtete er einen Pfarrbesuchsdienst ein. Er selbst bereitete sich auf seelsorgerische Gespräche stets mit großer Sorgfalt vor und konzentrierte sich dann voll und ganz auf den Menschen.
Ein besonderes Anliegen war ihm die ökumenische Arbeit in der Stadt. Zu seinen evangelisch-reformierten Amtsbrüdern hatte er ein ausgezeichnetes und vertrauensvolles Verhältnis. Er förderte die Arbeit eines ökumenischen Bibelkreises und zusammen mit Pastor Kaltepoth die anspruchsvolle Arbeit eines theologischen Gesprächskreises. Unvergessen sind die Reisen mit verschiedenen Gruppen nach Rom und Italien ( Toskana, Umbrien, Venetien, Sizilien), die durch seine ausgezeichneten italienischen Sprachkenntnisse und seine exzellenten Kenntnisse in der Kunstgeschichte zu unvergesslichen Erlebnissen wurden. Gerhard Schröder, der ein eher zurückhaltender Mensch war, blühte jenseits der Alpen unter südlicher Sonne förmlich auf und zeigte sich von einer ganz anderen Seite.
Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben sein Einsatz für den Erhalt des Schwesternhauses der Erlenbader Franziskanerinnen in Wülfrath. Durch geschickte Verhandlungen mit der Provinzoberin Mutter M. Benedicta Beha und Spiritual Fütterer vom Mutterhaus Erlenbad gelang es ihm, die Schwesternstation zu erhalten, bis nach Fortgang der beiden letzten Schwestern Sr. Manuela und Sr. Dimundis die Station wegen Nachwuchsmangels im Orden geschlossen werden musste.

Kurz vor Erreichen seines 70. Lebensjahres trat Pfarrer Schröder am 01. Mai 2003 in den Ruhestand. Erzbischof Kardinal Meisner versetzte ihn als Subsidiar an St. Benedictus, St. Sakrament, St. Maria, Hilfe der Christen und St. Antonius nach Düsseldorf-Heerdt. Dort versah er noch sehr aktiv seinen priesterlichen Dienst, nicht zuletzt in der Krankenhausseelsorge. Seine Mitbrüder schätzten seine Gelassenheit und Flexibilität, er selbst war glücklich, dass er nun – befreit von Verwaltungsaufgaben - endlich das tun konnte, wozu er geweiht war, den seelsorgerischen Dienst an den Menschen. Geduldig und im Vertrauen auf seinen Herrn hat er seine schwere Krankheit ertragen. Im Requiem für den Verstorbenen in Düsseldorf-Heerdt stellte Weihbischof Schwaderlapp noch einmal die wesentlichen Eigenschaften von Gerhard Schröder heraus: Lauterkeit, Einfachheit und Bescheidenheit. Seine Gemeinden haben ihm viel zu verdanken.

Am 31. Mai 2017 wurde Pfarrer Schröder auf dem städtischen Friedhof in Wülfrath im Priestergrab in der Nähe der Ruhestätte seines Vaters beigesetzt. Die Gemeinde St. Maximin wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. R.i.p.

Detlef Jankowski

07.06.2017