Hinter verschlossenen Türen

Nun ist es also tatsächlich das zweite Mal hintereinander eingetreten: OSTERN findet wieder hinter verschlossenen Türen statt. Die Inzidenzzahlen in Mettmann und Wülfrath steigen stetig. Die „dritte Welle“ ist voll im Gange. Die Bundeskanzlerin bittet erstmals in ihrer Amtszeit ausdrücklich darum, Gottesdienste ins Internet zu verlagern und digital zu senden. Dazu passt das Foto, das kürzlich in Ostwestfalen entstanden ist. Zur Erklärung: Der Haupteingang dieser evangelischen Kirche in Soest war offen.

„Verschlossene Türen“ sind dabei durchaus ein österliches Motiv, so grotesk es klingt. Wenn Christ(inn)en in der kommenden Heiligen Woche das österliche Triduum begehen, Gründonnerstag / Karfreitag / Osternacht, dann kann die liturgische Feier bei aller Eindringlichkeit der Zeichen und Symbole nicht die Tiefe der Tragik und Dramatik der Ereignisse vor 2000 Jahren in Jerusalem ausloten. Am ehesten vermögen das Menschen, die dieser Tage einen sehr geliebten Menschen verloren haben und für die –gewissermaßen- die Welt stehen bleibt. Tot, Ende, Aus! Das „Wir aber hatten gehofft“ der Emmaus-Jünger spricht Bände. Der ersehnte und erhoffte Messias endet am Kreuz, wie der schändlichste Verbrecher. Dieses Kapitel ist nun für die römische Besatzungsmacht und ihre Helfershelfer beendet. So scheint es zunächst. Und die Apostel, Augen- und Ohrenzeugen der Verkündigung Jesu in Worten und Werken? Sie sind am Boden zerstört, können sich keine Zukunft mehr vorstellen. Traumatisiert ziehen sie sich hinter VERSCHLOSSENE TÜREN zurück. Sie haben Angst vor sich selbst und Angst vor denen da draußen, die weitermachen wie bisher. Dass ihr Leben durch OSTERN die totale Wendung erfahren könnte, liegt außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Geht es uns nicht oft auch so? Ostern 2021 dringt ein auch in unser Fragen, Zweifeln, Ringen. ER, der Gekreuzigte und Auferstandene tritt ein in die Ängste und die lähmende Depression Vieler. ER durchbricht sogar Mauern...


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