Kirchenführer St. Barbara

Kath. Kirche St. Barbara in Wülfrath-Schlupkothen / Koxhof

 

Zeittafel

13.9.1936 Grund­stein­le­gung der Ka­pel­le St. Bar­ba­ra in Wül­frath-
Schlupkothen/Kox­hof
10.10.1937 Be­ne­dik­ti­on durch Dechant Joseph Jör­ris­sen (Mett­mann)
2.5.1962-6.3.1964 Um­bau- und Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten
8.9.1963 Kon­sek­ra­ti­on durch Weih­bi­schof Wilhelm Cle­ven, Er­he­bung zur Fi­li­al­kir­che von St. Ma­xi­min in Wülfrath-Düs­sel
8.1.1997 Köl­ner Erz­bi­schof Jo­a­chim Kar­di­nal Meis­ner be­sucht die Kir­che
14.11.1997-27.8.1999 Ge­samt­re­no­vie­rung der Kir­che samt Au­ßen­an­la­gen
2000 An­schaf­fung ei­nes neu­en Ge­läu­tes

 

Lage und Geschichte

Wer die Autobahn A 535 von Wuppertal aus in Richtung Essen fährt, bemerkt nach Verlassen des Tunnels „Großer Busch“ schon von Weitem die kleine Kirche St. Barbara mit ihrem weißen Anstrich und der Schieferdeckung, ein Bauwerk, das sich an dieser Stelle aufs Schönste mit der niederbergischen Landschaft verbindet. Sanft gewellte Hügel – hier und da von Wald überzogen – bilden eine harmonische Umgebung und lassen den Anblick des Kirchleins besonders reizvoll erscheinen.

Im Zuge des prosperierenden Kalksteinabbaus war ein steigender Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte vor allem aus südeuropäischen Ländern zu verzeichnen, der zunächst wachsenden Wohnungsbedarf nach sich zog, dem die Kalksteinwerke dadurch begegneten, dass sie entlang der heutigen L 74 in uniformierter Bauweise Siedlungshäuser in Koxhof und Schlupkothen errichten ließen (heute noch weitgehend erhalten und bewohnt). Die prägende Wirkung auf das jeweilige Ortsbild blieb nicht aus und ist auch in der Gegenwart noch gut nachzuvollziehen.

Die bislang geringe Zahl der Katholiken in diesem Gebiet vergrößerte sich durch den Zustrom von Arbeitskräften ganz erheblich. Seit dem Mittelalter gehörten Koxhof und Schlupkothen kirchenrechtlich zum Kirchspiel Düssel mit dem gleichnamigen Dorf und der Pfarrkirche St. Maximin. Für die Teilnahme an der dortigen Messe waren etwa 20 Min.Fußweg zurückzulegen, für viele besonders im Winter ein Hinderungsgrund, dem der Düsseler Seelsorger über lange Zeit hinweg mit häufigen Besuchen entgegenzuwirken versuchte, bis schließlich mit der Kath. Grundschule Schlupkothen Räumlichkeiten gefunden waren, die zum regelmäßigen Abhalten sonntäglicher Messen provisorisch hergerichtet werden konnten. Eine Behelfslösung dieser Art blieb für die Bevölkerung und die Seelsorge auf Dauer unbefriedigend, so dass der Wunsch nach einer eigenen Kirche zunehmend lauter wurde.

 

Baugeschichte

Mit der Person des Düsseler Pfarrers Peter Lefkens (1889–1969) ist die Initiative zur Errichtung eines neuen Gotteshauses in (Wülfrath-) Koxhof aufs Engste verbunden; er trieb in den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. die Planungen voran und schaffte vor allem die wirtschaftliche Grundlage: die Bereitstellung von Kapital. Lefkens’ unermüdliches Streben fand reichlich Unterstützung bei den Rhein. Kalkwerken, denn sie stellten nicht nur das Baugrundstück unentgeldlich zu Verfügung, sondern lieferten Baumaterialien und gaben wiederholt auch Geldzuwendungen. Eine Baugenehmigung unter den damaligen politischen Zeitumständen von den kirchenfeindlich eingestellten nationalsozialistischen Behörden zu erhalten, muss wohl allein dem von tiefster christlicher Überzeugung geprägten Handeln und Auftreten des Peter Lefkens als Seelsorger zugeordnet werden. So konnte der erste Spatenstich am 19. Juli 1936 erfolgen. Bereits am 19. September des Jahres fand die feierlich vollzogene Grundsteinlegung statt. Ganz entscheidend für den schnellen kostensparenden Fortgang der Bauarbeiten war der große Anteil an Eigenleistungen der kath. Bevölkerung. 35 Männer aus der Gemeinde – zumeist Beschäftigte der Rhein. Kalksteinwerke – leisteten rund 5.500 freiwillige Arbeitsstunden, sei es zur Ausführung der Sprengarbeiten oder beim Aushub der Baugrube, sei es zur Errichtung eines Transportsystems für die Anlieferung von Baumaterialien zum Bauplatz auf der Anhöhe mittels schienengeführter Lore und Haspel, weshalb die Wahl der Schutzpatronin auf die hl. Barbara fiel.

Nach gut einjähriger Bauzeit fand am 10.Okt.1937 die feierliche Einweihung unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Dechant Josef Jörissen (1874–1950) aus Mettmann nahm die Benediktion vor. St. Barbara hatte zunächst nur den Status einer Kapelle. Die Erbauer hatten der Kirche St. Barbara einen herausgehobenen Standort oberhalb der Ortschaft Koxhof zugewiesen, was den Anstieg über einen teilweise mit Treppen versehenen Zugangsweg (72 Stufen) erforderlich macht, der an der L 74 beginnt, bevor man den Kirchenvorplatz erreicht.

Die Ausführung des Gebäudes in Ziegelmauerwerk ist heute wegen des weißen Verputzes nicht mehr erkennbar, dieser wurde jedoch erst während der Renovierung 1962–64 aufgebracht. Ein flach gedeckter Kirchenraum als Saal mit schlanken Rundbogenfenstern bildet mit dem seitlich angebauten Turm, in dessen beiden unteren Geschossen Sakristei und Sammlungszimmer untergebracht sind, die bauliche Einheit. Das Glockengeschoss öffnet sich an zwei der Ortschaft Koxhof zugewandten Seiten mit zwei schlanken zweibahnigen Schalllöchern. Treppenaufgänge ermöglichen Zugang zu den beiden Eingängen. Dass 1962–64 eine Renovierung nebst Umbau erforderlich geworden war, lag an den aufgetretenen Feuchtigkeitsschäden, diente aber ebenso der Vollendung bis dahin offengebliebener Wünsche der Gemeinde. Eine Nische für den Beichtstuhl, die Turmverlängerung, Drainage, weißer Anstrich und die Ölheizung (1999 auf Gas umgestellt) waren Gegenstand der Arbeiten. Mit diesen Veränderungen ging auch ein kirchenrechtlicher Statuswechsel einher: Der Kölner Weihbischof Wilhelm Cleven erhob St. Barbara in den Stand einer Filialkirche von St. Maximin in Düssel (Konsekration am 8.9.1963). Eine abermalige Renovierung des Gebäudes geschah im Jahr 1999. Sie diente hauptsächlich der Beseitigung von erneut aufgetretenen Feuchtigkeitsschäden.

 

Der Innenraum

Als längsrechteckiger Saal mit eingezogenem Chor (halbrund geschlossen) öffnet sich der Gemeinderaum dem Besucher. Die aus Längs- und Querbalken gefügte, flache Holzdecke verleiht der schlichten Raumstruktur eine besondere Note. Schmale Wandfenster links und rechts werden durch ein Flächenfenster, das sich an der Stirnseite des Innern vom Fußboden bis zur Decke erstreckt, ergänzt und sorgen für einen hellen Raumeindruck. Es fällt die sehr einheitlich aus geometrischen Motiven geformte Farbverglasung auf, Kreuzzeichen darstellend. Zusammen mit dem Flächenfenster (Farben: rot, beige, türkis, grau, schwarz) ist das Glas noch der Erbauungszeit (1937) zuzurechnen. Eine alte Empore wurde 1963 durch die jetzige aus Holz ersetzt; sie trägt seitdem die Orgel. Die Nische für den Beichtstuhl kam 1963 hinzu. Um vier Stufen ist der Chorraum angehoben. Dass er dem Betrachter ein wenig dunkler erscheint, verursachen verstreut in die Chorwand eingelassene Dickglasfenster (1963) – teilweise kreisrund. Scheint nachmittags aber die Sonne, verbreitet sich hier ein vielfarbig gefiltertes Licht.

 

Li­te­ra­tur

  • Ulrich Bauckhage, Zum Beispiel Wülfrath: 1919–1949, Der Weg einer dt. Kleinstadt durch den Nationalsozialismus, Essen 1988.
  • Myriam Wierschowski (Hrsg.), ...mit der Sonne selbst malen... Johan Thorn Prikker und der Aufbruch der Moderne in der Glasmalerei, Katalog zur Ausstellung, Linnich 2007.
  • Wolf­ ang Hein­richs/Hart­mut Nol­te, Le­xi­kon der Wül­frat­her Kir­chen­ge­schich­te, Nord­hau­sen 2008.
  • H . F. Schmit­ten, Wol­fe­ro­the-Wül­frath, Bei­trä­ge zur Ge­schich­te ei­ner nie­der­berg. Stadt­ge­mein­de, Wül­frath 1928.
  • 50 Jah­re Rhei­ni­sche Kalk­stein­wer­ke Wül­frath, Ein Bei­trag zur Ge­schich­te der deut­schen Kalk­in­dust­rie, Mainz 1953.
  • Wül­frath, Hei­mat­buch ei­ner nie­der­ber­gi­schen Stadt, mit Bei­trä­gen von J. Jung u.a., Ra­tin­gen 1962.
  • Ar­chiv der Stadt Wül­frath.
  • Ar­chiv der Kath. Kir­chen­ge­mein­de St. Ma­xi­min Wül­frath.

 

Impressum

Fotos: Friedemann Fey, Monheim

Original von:
Schnell, Kunstführer Nr. ####
#. Auflage 2012
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Leibnizstraße 13, D-93055 Regensburg
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Weitere Informationen

Weitere Informationen, z.B. zur Ausstattung, finden Sie im Kirchenführer St. Barbara.
Das Heftchen ist zum  Preise von 3,--€ in der Kirche (Schriftenstand) oder im Pastoralbüro Goethestr. erhältlich.